Wetterauer Schwimmbad bekommt Kulturpreis. Tauchgänge mal anders

Am 14. November war es soweit. Der Wetterauer Kulturpreis 2017 geht an die AHA-Initiatoren Lang, Salatzkat und Wilk für ihre Phantasie, Kreativität und Überzeugungskraft. Nach 17 Jahren hat die Region wieder ein Theater ausgezeichnet (2000 das Theater mimikri aus Büdingen) und den Mut neue Wege zu betreten.

Poetry Poet Andreas Arnold aus Reichelsheim nennt es das Aufmerksamkeitsdefizit, dem viele kreative Leistungen in der Region anheimfallen. Woran liegt es? Dass der Wetterauer Kulturpreis und seine Preisträger der letzten 18 JAhre gar nicht sonderlich bekannt sind? Ist es möglich, dass die Wetterau weniger eine Kornkammer sondern eine regelrechte Wunderkammer ist? Vielleicht überdeckt die häufig ausgeschmückte, bäuerlich geprägte Kulturlandschaft so manches. Möglicherweise hat die Kreativität in der Region mehr Potenzial als man vermuten würde. Von Kultursteppe keine Rede. Und so kommen wir in der Haagstraße 29 an. Am Rand der Friedberger Altstadt mit etwas studentischem Flair, in einem Schwimmbad, im Alten Hallenbad, kurz AHA. 1909 nach Plänen des einstigen Bad Nauheimer Stararchitekten für Schwimmbäder, Hans Meyer, errichtet. Doch wurde das von der damaligen Bürgerschaft finanzierte Jugendstilbad nach mehreren um den Erhalt kämpfenden Leibesübungen dann doch 1980 stillgelegt. Wie so oft war auch dieser für den Gemeinsinn bestimmte Bau dem Verfall preisgegeben.

Der ehemalige Schulleiter der Gesamtschule Konradsdorf Ulrich Lang sowie Hans-Jürgen Salatzkat und Reinhard Wilk sahen das anders. Sie ergriffen die Initiative und wollten in der bröckelnden Badeanstalt kulturelle Tauchgänge unternehmen. Erst gründeten sie mit Förderern und Ehrenamtlichen einen Verein und schließlich die gemeinnützige Gesellschaft Theater Altes Hallenbad.

Ab 2010 begannen die Arbeiten nach Plänen der Frankfurter mtp-Architekten. Während Vintage und der Einsatz historischer Baustoffe international die Sperrspitze der Architektur markieren, geschah es bereits unmittelbar und wegweisend in der Kreisstadt, vor allem aus der Bürgerschaft heraus. Im Jahr 2013 eröffnete das provisorische Kulturzentrum. Seitdem bietet die Schwimmhalle ein Programm, in das man nur zu gern eintaucht, von poetischen Synchronsprüngen, über anspruchsvolle Kammerversionen wie Cosi fan tutte bis zu Aufführungen mit der ehrwürdigen Alten Oper. Mehr davon!