Die Spielemacher von Pegasus bleiben der Wetterau treu

Die Spielemacher

Zum zweiten Mal erhielten die Wetterauer Spielemacher von Pegasus Ende letzten Jahres den Oscar der Spieleverlage. Kingdomino wurde Spiel des Jahres 2017. „Das Planen der weitläufigen Ländereien rund um die Burg und der kluge Mechanismus bei der Plättchenauswahl sind stimmig miteinander verzahnt und meisterlich auf das Wesentliche reduziert“, so die Jury.

Der Clou: Das Spiel basiert nicht auf abstrakten Steinen des ehrwürdigen Domino-Spiels, sondern auf gestaltete Landschaftsplättchen. Würde der berühmte Autor von Kingdomino, Bruno Cathala, nicht in der malerischen Region Auvergne-Rhône-Alpes leben, könnten man meinen, er hätte seine Inspiration für die Landschaftskärtchen aus der Wetterau. Jedenfalls ist der Preis die weltweit bedeutendste Spieleauszeichnung. Damit ist nicht nur eine Menge Renommee verbunden. Werden normalerweise  2.000 bis 5.000 Einheiten von einer Box verkauft,  werden es beim Spiel des Jahres schnell hunderttausende. Im Gespräch mit landfest berichten die Friedberger Spielemacher, dass jährlich über eine Million Gesellschaftsspiele vetreiben und damit einen zweistelligen Millionenumsatz erwirtschaften.

Mutige Geschäftsidee in Friedberg vor 25 Jahren

Pegasus Spiele, Wetterau
Pegasus Spiele, Wetterau

Mittlerweile steht aber auch schon der Nachfolger von Kingdomino in den Startlöchern. Deutschland ist weltweit der größte Markt für Brettspiele. Daher hart umkämpft. Jedes Jahr kommen 1.200 Neuerscheinungen auf den Markt.  „Das viel ist zu viel und schraubt das Tempo und die Qualitätsansprüche immer weiter hoch, zumal 90 Prozent der Neuerscheinungen im nächsten Jahr wieder verschwunden sind.“ Den beiden sympathischen, völlig unprätentiös wirkenden Gründern Andreas Finkernagel und Karsten Esser merkt man an, dass sie aus der Szene kommen. 1993 hatten sie als 19- und 21-jährige eine Geschäftsidee, die man nicht anders als sehr mutig bezeichnen kann.

Auf 34 Quadratmeter eröffneten sie in Friedberg einen Laden für Fantasie- und Rollenspiele, machten ihr Hobby zum Beruf. Zur selben Zeit wird in den USA das Sammelkartenspiel Magic: The Gathering erfunden. Die Friedberger setzen auf das richtige Pferd. Das Kartenspiel löste einen internationalen Trend aus und Pegasus  wurde einer der fünf Großhändler für Magic  in Deutschland. Allerdings waren Fantasy-Spiele noch der absolute Nischenmarkt, eher etwas für Nerds. In den deutschen Familien konnten die wenigsten etwas mit Hobbits oder Elfen anfangen. Das änderte sich schlagartig, als der Fantasyfilm Der Herr der Ringe Ende 2001in die Kinos kam. Ein neuer Massenmarkt war geboren.

Pegasus-Gründer haben keine Angst vor der Digitalisierung

Immer mehr Menschen tauchen in ihrer Freizeit in eine Fantasiewelt ein, was den Umsatz von Pegasus ordentlich antreibt. „Letztlich ist ein Spiel aber immer dann erfolgreich, wenn es die Spielfreude weckt“, sagt Andras Finkernagel.  Familienspiele  von ganz jung und bis betagt müssen die Komponente Zufall  haben, sonst verlieren einige Mitspieler schnell den Spaß. Dagegen fordern Kenner- und Expertenspiele deutlich mehr an Logik und Strategie.

Karsten Esser und Andreas Finkernagel bleiben auch künftig der Wetterau treu. Angst vor der Digitalisierung haben sie nicht. Der Spieltrieb steckt schon seit ­Jahrtausenden im Menschen. Außerdem führt jedes Karten- und Brettspiel zu einer gewissen Entschleunigung und Vernetzung, womit Pegasus vom nächsten Megatrend beflügelt wird. Wie das funktioniert, lernt man bei der Spielinnovation speziell für die Region kennen: Meine Goldene Wetterau. Als Wanderer bereist man die hiesigen Gemeinden, muss passende Handkarten zum jeweiligen Ort ablegen und ist ganz nebenbei ziemlich verdutzt, was es noch alles an Sehenswürdigkeiten in der Nachbarschaft gibt. www.pegasus.de