Die ewige Passion: Jagen und stöbern mit dem Dackel

Philipp und Christina Bertelsmeier leben die Leidenschaft für die tapferen Jagdhelfer. Hier mit ihren Teckel-Hündinnen Wanda von der Lesum und Antonie vom Buchhagen

In Passau hat zwar das erste Dackelmuseum der Welt eröffnet, und die Initiatoren können sich vor Anfragen kaum noch retten. Doch in Ockstadt hat der Deutsche Teckelklub 1888 e.V.  seit 45 Jahren einen seiner aktivsten Standorte. Die Ortsgruppe Friedberg-Bad Nauheim trägt aber keine musealen Exponate zusammen. Hier wird der Dackelsport gelebt. Das Programm rund um die Teckelei zeigt, wohin der Hase läuft: von der Welpenspielstunde über die Begleithundeprüfung bis hin zu jagdlichen Führerlehrgängen mit Stöber-, Schweiß- und Vielseitigkeitsprüfungen. Aber wie heißt er denn nun richtig: Dachshund, Teckel oder Dackel? Die beiden Vereinsvorstände Philipp und Christina Bertelsmeier stellen klar. „Es gibt keinen Unterschied.“

Beide sind Jäger. Sie kommen ursprünglich von der holländischen Grenze am Niederrhein, zog es beruflich 2008 zu den großen Unternehmensberatungen in Frankfurt, sind dann aber umgesiedelt ins Grüne nach Usingen. Hier haben sie sich entschlossen, eine Jagdteckelzucht auszubauen. Philipp ist 1. Vorsitzender des Ockstädter Teckelvereins und Finanzchef einer Traditionsgießerei in Wetzlar. Sein Großvater war Jäger und züchtete selbst Jagdhunde. Wenn Philipp mit zur Jagd durfte, führte er am liebsten Dackel. Christina achtet auf die Finanzen im Verein und ist Steuerberaterin. Vor allem sind beide in der Elternzeit, auch wenn der kleine Sohn Friedrich von beiden Dackelhündinnen gut beaufsichtigt wird.

Keineswegs unerziehbar

Der Dackel ist der kleinste deutsche Jagdgebrauchshund. Unerziehbar ist er keineswegs, wie die Ausbilder aus Ockstadt den oft vor der Verzweiflung stehenden Herrchen und Frauchen im Lehrgang Begleithundeprüfung demonstrieren. Und dann wird es sportlich: Der Lehrgang besteht aus  neun (!) Prüfungsinhalten, darunter manierliches an der Leine laufen, aber auch die freie Suche nach dem Hundeführer im Gelände, 10 lange Minuten vor dem Geschäft im Platz warten, ohne sich zu rühren, oder auch der freudige Sprung in den Teich – nicht um zu baden, sondern der Prüfling muss schnurstracks eine tote Ente (oder ein politisch korrektes Lieblingsspielzeug) apportieren und sittsam anlanden. Wer die Ausbildung startet, trainiert mit seinem langgestreckten Vierbeiner Wochen, Monate oder gar Jahre im Gelände, um am Tag X vor den wenig kulanten Augen eines DTK-Richters bestehen zu können.

Weil sie so beweglich, flink und wendig sind, kommen die Teckel nicht nur in der Baujagd, sondern immer häufiger bei Bewegungsjagden zum Einsatz, erklären die Bertelsmeiers. Das Schalenwild flüchtet langsamer vor dem Dackel. Und er macht sich durch seine Spur- und Fährtenlaut deutlich bemerkbar. So kann das Wild den Teckel orten und ihm ausweichen. Beim spurlauten Jagen und Stöbern ist ihre passionierte Teckelhündin Antonie vom Buchhagen schon mal 15 bis 20 km mit GPS-Sender auf den Beinen, in der Saison auch schon mal mit fünf Einsätzen in der Woche. Viel Gassi gehen ist dann nicht mehr drin. Wenn es regnet, schon gar nicht.