Wege bedrohter Wissenschaft Frankfurt-Istanbul

Stichwort Brain Drain. Die Gedenk-Stele an der Frankfurter Uniklinik mit einem Porträt des Pathologen Philipp Schwartz (1894-1977) erinnert an vertriebene Wissenschaftler aus Frankfurt.

Der Mediziner Philipp Schwartz floh 1933 aus Frankfurt am Main. Aufgrund seiner jüdischen Herkunft musste er die Johann Wolfgang von Goethe-Universität fristlos verlassen. Schwartz gründete in der Schweiz die „Zentralberatungsstelle für deutsche Gelehrte“, die spätere „Notgemeinschaft für deutsche Wissenschaftler im Ausland“. Eine neue berufliche Zukunft fand Schwartz allerdings in Istanbul. Präsident Kemal Atatürk wollte ein Hochschulwesen nach europäischem Vorbild aufbauen. Schwartz konnte 30 in Deutschland verfolgte Gelehrte an die neue Universität in Istanbul vermitteln, bis 1945 folgten weitere 300 Wissenschaftler, Künstler und ihre Angehörigen.

In den 50er Jahren wollte Philipp Schwartz wieder an seine Frankfurter Wirkungsstätte zurückkehren, was jedoch nicht erwünscht war. Er wurde ein international renommierter Neuropathologe in Pennsylvania. Das Mahnmal macht den damaligen Brain Drain aus Deutschland mit 1.794 Namen sichtbar. Heute setzt die Alexander von Humboldt-Stiftung die Philipp Schwartz-Initiative für gefährdete Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen fort.